Falsche Glaubenssätze

Veröffentlicht am 1. Juni 2026 um 15:56

• »Mache es anderen stets recht und versuche ihnen zu gefallen, unabhängig von deinen eigenen Gefühlen.«

Auf der Basis dieses Glaubenssatzes meinen viele Menschen, vor allem Frauen, wenn sie nur »allen alles sind« und dabei ihre eigenen Bedürfnisse und Empfindungen ignorieren, würden sie geliebt und seien beliebt.

Mit diesem Glaubenssatz zu leben bedeutet, die Realität zu leugnen und insbesondere egozentrische Menschen anzuziehen, die bedient und bemuttert werden wollen, ihrerseits aber nicht bereit sind, etwas zu geben.

Dagegen bedeutet die Realität anerkennen, akzep-tieren, was ist, dass uns bewusst ist, dass jeder die Verantwortung für sein Leben übernehmen soll, dass alle Menschen Bedürfnisse, Gefühle, Wünsche haben und nicht nur das Recht, sondern sogar die »Pflicht« haben, sie zu berücksichtigen. Wir können uns durchaus bewusst dafür entscheiden, sie manchmal, in bestimmten Lebensperioden, zu ignorieren, wie zum Beispiel eine Mutter, die zeitweise ihr Schlafbedürfnis ignoriert, um ihr krankes 

Kind zu versorgen. Dagegen ist die Neigung, sich generell zum Opfer der Umstände zu machen und die eigenen Bedürfnisse nicht zu beachten, ein Mit-tel, der Realität - dem, was ist - zu entfliehen.

• »Sei perfekt um jeden Preis, alles, was du tust, muss stets vollkommen sein. Man darf sich keine Fehler erlauben, muss stets all seine Verpflichtungen erfüllen, was es auch koste, muss Termine einhalten und mehr mit weniger schaffen.«

Auch diese falschen Glaubenssätze führen dazu, dass wir in einer Illusion leben, uns eine irreale Welt erschaffen und Stressreaktionen bei uns her-vorrufen, die zu hohem Blutdruck, Migräne und Magengeschwüren führen können, ganz zu schweigen von zwischenmenschlichen Problemen.

Dadurch, dass wir annehmen, was ist, geben wir zu: »Menschlich sein« heißt fehlbar sein, nur begrenzt Zeit und Kraft zu haben. Wir wagen es, zu sagen: »Ich schaffe es nicht! « Oder auch: »Ich habe mich geirrt! « Wir akzeptieren dann, dass »mehr mit weniger schaffen« auch voraussetzt, es »anders zu machen«.

Akzeptieren, was ist, im Kontakt mit der Wirklichkeit sein und nicht mit der Illusion, heißt, dass wir uns endlich in einen Zustand versetzen, der es uns ermöglicht, neue Lösungen zu finden.

• Sei immer stark, zeige niemals deine Schwächen, bitte andere um nichts und schlage dich allein durch.«

Auch wer dieser Illusion anhängt, lebt außerhalb der Realität, vermeidet es, das zu akzeptieren, was Menschen sind voneinander abhängig, sie sind aufeinander angewiesen: »Niemand ist eine Insel«, schrieb der englische Dichter John Donne.

Stark sein bedeutet, sich so anzunehmen, wie man ist, mit allen Stärken und Schwächen, allen Kenntnissen und all seinem Unvermögen. Es kann sein, dass die Umstände in der Kindheit schwierig waren und dass es nicht möglich war, sich darauf zu verlassen, dass die Eltern sich angemessen verhiel-ten. Doch als Erwachsene können wir uns ent-scheiden. Wir können lernen, um Hilfe zu bitten, können akzeptieren und zulassen, dass die anderen ebenfalls ihren Teil erfüllen. Wir können lernen, das, was eher unseren falschen Vorstellungen darüber entspricht, wie die Dinge sein sollten, zu erkennen und zu akzeptieren.

 

 

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